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High Rising Grass im Ozean

Im Ozean zeigt oder besser installiert Schuurman drei ihrer Arbeiten in großformatigen Abzügen. Auf dem Boden stehend, bilden sie wiederum einen Realraum für den Betrachter.
In "High", dem wie vielen ihrer Arbeiten ein feiner Humor innewohnt, blickt der Betrachter auf ein Bild, auf dem ein Betrachter durch ein Loch in einem überdimensionalen Werbe-Bild späht. Der Blick auf den Blickenden dessen Blick uns verborgen bleibt, ist eine Einladung Schuurmans, die keine Auflösung verspricht. Wir werden das vom Späher Gesehene uns nur vorstellen können. Der Vermittlungs-oder Kommunikationsanspruch der enormen Werbetafel ist ad absurdum geführt, denn das Interessante liegt dahinter, wird gerade durch das monströse Sichtbare unsichtbar.
"Rising" zeigt ein Motiv, das während Schuurmans Aufenthalt in Beijing entstand. Ein älterer Mann im Stadtpark, der sich, völlig in sich ruhend, seinen Meditationsübungen hingibt. MS, die sich während der Aufnahme ganz nah vor ihm befand, nimmt er, so scheint es, überhaupt nicht wahr. Der Ast des Baumes, an dem er sich hält, scheint wie für ihn gewachsen, er dient ihm zum Strecken des Körpers. Seine Augen sind geschlossen und fast erscheint er schwebend. Die Ruhe des Moments, die Nähe zu dem Mann, der jedoch selbst ferner nicht sein kann, die regelrechte Geschlossenheit des Bildes, stehen im Kontrast zu der, wenn auch nur vage zu interpretierenden, ihn umgebenden Unruhe der Megacity.
In "Grass" ist ein großes, auf Holzpaletten aufgezogenes Stück Kunstrasen direkt vor eine "echte" Rasenfläche gelegt. Die Künstlichkeit beider Kulturprodukte rettet sie nicht davor, ramponiert zu sein. Auch hier erschließt sich weder der Nutzungs- noch der örtliche Zusammenhang der Situation. Bühnenhaft auch hier wieder die Anmutung, die den Raum für Spekulationen eröffnet, deren Wahrheitsgehalt ebenso hoch ist, wie ihr Möglichkeitsgehalt.

Karola Matschke
2010

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